Neues Urteil: Fitnessstudio-Beitrag wegen Corona zurück?

Seit November sind die deutschen Fitnessstudios zum zweiten Mal im Lockdown. Das ist für uns alle schon ärgerlich genug. Noch ärgerlicher ist es, wenn es Probleme mit der Rückzahlung der Beiträge gibt. Oft wurden Verbraucher hier mit Gutscheinen oder einer einseitigen Vertragsverlängerung abgewimmelt. Ein neues Urteil des Amtsgerichts Papenburg hat nun einem Fitnessstudio-Mitglied Recht gegeben, der auf die Rückerstattung der Beiträge gepocht hatte.

Das hat das Gericht entschieden

Ein Fitnessstudio-Mitglied der “Flamingo-Fitness GmbH” hatte vor dem Amtsgericht Papenburg geklagt, weil der Betreiber die anteilige Rückzahlung der Beiträge verweigerte. Das Gericht entschied in seinem Urteil (Az. 3 C 337/20) nun zugunsten des Klägers und bestätigt: Das Mitglied hat einen Anspruch auf Rückerstattung, der während der Schließung gezahlten Beiträge.

Das Gericht bestätigte zudem, dass sich das Fitnessstudio nicht auf einen Wegfall bzw. eine Störung der Geschäftsgrundlage ( § 313 BGB) berufen kann. Ein Anspruch auf eine einseitige Vertragsverlängerung seitens des Betriebes besteht folglich nicht, da die Betreiber in der Regel staatliche finanzielle Hilfen erhalten haben.

So können Sie Beiträge zurückbekommen

Schreiben Sie ihrem Anbieter am besten schriftlich und per Einschreiben! Fordern Sie ihn auf, die zu viel gezahlten Beiträge zu erstatten. Verweisen Sie dabei auf das neueste Urteil des Amtsgericht Papenburg “Az. 3 C 337/20”.

Da die Rechtslage noch nicht abschließend geklärt ist, kann es sein, dass ihr Anbieter die Rückzahlung trotzdem verweigert. Denn es gibt auch Urteile die zugunsten der Fitnessstudio-Betreiber entschieden wurden. Sollte Ihr Anbieter die Erstattung also weiter verweigern, bleibt nur noch der Weg zum Anwalt. Hier sollten Sie abwägen, ob es Ihnen das Risiko wirklich Wert ist. Denn sollten Sie keine Rechtsschutzversicherung haben, müssen Sie die Kosten im schlimmsten Fall selbst tragen.

Sollte Ihnen ein Gutschein angeboten werden, müssen Sie diesen in der Regel akzeptieren! Die Bundesregierung hat dafür im Mai 2020 ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, dass die Betreiber von Kultur- und Freizeiteinrichtung unterstützen soll. Achten Sie jedoch darauf, dass aus dem Gutschein hervorgeht, dass er wegen der COVID-19-Pandemie ausgestellt wurde und Sie eine Auszahlung verlangen können, wenn der Gutschein für Sie unzumutbar ist oder er nicht bis zum 31.12.2021 eingelöst wurde. So sehen es die “Gutschein-Regeln” der Bundesregierung vor.

Sie haben Ihrem Anbieter geschrieben? Uns interessiert, was dabei raus gekommen ist. Schreiben Sie uns mit Ihren Erfahrungen!

Bild: iStock/ProStock-Studio

Ron Perduss

Ich bin gelernter Bankkaufmann. Als Journalist mache ich seit über 20 Jahren Radio und seit 8 Jahren Fernsehen. Seit 2009 habe ich mich auf Verbraucherthemen spezialisiert. Fokus sind hier Ihre Fragen rund um Finanzen, Versicherungen, Verbraucher- und Reiserecht. Außerdem teste ich regelmäßig Produkte. Meine Beiträge laufen auch auf verschiedenen Radio- und TV-Sendern.

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