Kurzarbeit – Doppelt gestraft?!

Viele Deutsche haben durch Kurzarbeit bereits einen enormen Einkommensverlust. Durch die später verpflichtende Steuererklärung drohen dazu hohe Nachzahlungen!

Vor einem Jahr am 18.03.2020 verkündete Bundeskanzlerin Angela Merkel den deutschlandweiten Lockdown. Diese Maßnahme sollte die Ausbreitung des Corona-Virus eindämmen. Im Zuge des Lockdown mussten zehntausende Läden schließen, hunderttausende Deutsche mussten in Kurzarbeit.

Auch ein Jahr später hat sich die Situation nicht wirklich verändert. Im Januar diesen Jahres waren 2,6 Millionen Deutsche in Kurzarbeit. Das bedeutet gerade für Angestellte und Arbeiter im Niedriglohnsektor einen enormen Einkommensverlust. Und das ist leider nicht die einzige Auswirkung. Denn Kurzarbeiter sind spätestens bei der Steuererklärung doppelt gestraft.

Unser Rat: Wer auch in diesem Jahr in Kurzarbeit ist, sollte – sofern das möglich ist – 10-20% des Kurzarbeitergelds zur Seite legen.

Wer Kurzarbeitergeld bezogen hat, ist verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Kurzarbeitergeld wird zwar nicht versteuert, aber im Rahmen der steuerlichen Progression einberechnet. Die Lohnsteuer wird auf das tatsächlich gezahlte Einkommen berechnet, das Kurzarbeitergeld aber am Ende des Jahres zum gesamten Einkommen addiert – und hierauf dann die Steuerhöhe festgelegt.Wie hoch beim Einzelnen die Steuerschuld für das vergangene Jahr werden kann, lässt sich online beispielsweise auf der Seite des Bundesfinanzministeriums errechnen. Ist für Sie absehbar, dass eine Nachzahlung droht so sprechen Sie zeitnah mit dem Finanzamt und vereinbaren Sie eine Ratenzahlung oder Stunden der Steuerschuld. Der Bund der Steuerzahler hat zudem einige Modellrechnungen erstellt, in welchen Fällen Steuernachzahlungen drohen.

Auch der Urlaubsanspruch sinkt bei Kurzarbeit

Neben dieser finanziellen Auswirkung hat Kurzarbeit leider auch Auswirkungen auf Ihren Urlaubsanspruch, wie ein aktuelles Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf zeigt. Im konkreten Fall war die Klägerin einige Monate auf Kurzarbeit Null. Der Arbeitgeber verweigerte für diese Zeit den Urlaubsanspruch. Er bekam vor Gericht Recht. Hier wurde argumentiert, dass Erholungsurlaub nur gewährt werden kann, wenn Erholung notwendig ist. Da Kurzarbeit Null angeordnet war, war auch keine Erholung notwendig. Ob das Urteil auch Auswirkungen auf Urlaubsansprüche hat, wenn Sie nicht zu 100% in Kurzarbeit waren, ist nochz unklar.

Weiterführende Links

Bundesministerium der Finanzen Bund der Steuerzahler

Ron Perduss

Ich bin gelernter Bankkaufmann. Als Journalist mache ich seit über 20 Jahren Radio und seit 8 Jahren Fernsehen. Seit 2009 habe ich mich auf Verbraucherthemen spezialisiert. Fokus sind hier Ihre Fragen rund um Finanzen, Versicherungen, Verbraucher- und Reiserecht. Außerdem teste ich regelmäßig Produkte. Meine Beiträge laufen auch auf verschiedenen Radio- und TV-Sendern.

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